„Spring!“

„Der Glaube ist ein mutiger Sprung ins Ungewisse, der aus der Hoffnung lebt, dass Gott einen auffängt!“

Zitat von Sören Kiergegaard, dänischer Philosoph, Anfang d. 19. Jahrhunderts

Die Jahreslosung führt uns einen verzweifelten Vater vor Augen, der seinen Sohn liebt und für ihn und seine Gesundheit alles probiert hat. Er kann nicht mehr, hat alles probiert, wurde von allen (auch den Jüngern) und allem enttäuscht und setzt jetzt alles auf Jesus. Diese extreme Verzweiflung wird im dem Halbsatz „schrie der Vater“ deutlich. Glaube wird hier als Zerreißprobe mitten im Leben beschrieben: zwischen Wirklichkeit, Zweifel und der letzten Hoffnung. Hier geht es nicht um akademischen Laborglauben, der im Labor oder am Schreibtisch definiert wurde, sondern um die brutale und reale Alltagssituation eines verzweifelten Familienvaters mit seinem todkranken Kind. Der hier gezeigte Glaube bringt in Bewegung, er bleibt nicht bei den Problemen stehen: Der Vater macht sich auf den Weg – hin zu Jesus. Glaube und Unglaube stehen hier nebeneinander. Das wird nicht kritisiert. Jesus fordert viel mehr den Glauben des Vaters heraus. Er sucht das „Senfkorn“ des Glaubens und ermutigt ihn mit den Worten: „Wer Gott vertraut, dem ist alles möglich.“

Kiergegaard würde sagen: „Spring!“ Spring los, nur dann ist alles möglich!

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Spring mit deinem Unglauben und mit deinem Zweifel, setz deine Hoffnung und dein Vertrauen auf Jesus. Denn Glauben heißt, dem zu vertrauen, der das Wunder tut. Letztlich zeigt die Jahreslosung das geheimnisvolle Zusammentreffen von menschlichem Glauben und göttlichem Handeln auf.

„Setzt alles daran, dass eure Rettung sich in eurem Leben voll und ganz auswirkt (…) Gott selbst ist ja in euch am Werk und macht euch nicht nur bereit, sondern auch fähig, das zu tun, was ihm gefällt.“ sagt Paulus in Philipper 2,12f.

Glaube ist Gottes Geschenk, er ist der Agierende, mit aller meiner Kraft begebe ich mich in seine Nähe, so dass er handeln kann. Gott handelt, nicht ich. Glaube heißt vertrauen, im griechischen Text ist es sogar dasselbe Wort (pistis), das beides gleichermaßen beschreibt.

Spring! In seine offenen Vaterarme!

Glaube als Ent-Sicherung (Zitat Eberhard Jüngel, Tübinger Theologe), um eigene Sicherheiten loszulassen und dem zu vertrauen, der uns ruft.

Glaube und Zweifel gehören zusammen, sind sozusagen Zwillinge. Glaube ohne Zweifel, wäre Wissen. Wissen brauch kein Vertrauen – und letztlich dann auch keinen Gott!

(c) Bild – Foto von sasint