Tourismus in einem Dritte-Welt-Land

1.    Zahlen und Fakten

Zahlen der Welttourismusorganisation (UNWTO) zu Urlaubsreisen in Entwicklungsländer:

  • Anfang der 80er Jahre: 0,8 Mio.
    → 2005: 7,7 Mio.
  • Gesamtumsatz des Tourismus: 3,4 Billionen US $
    → 24 % für den Tourismus in Entwicklungsländern

2.    Formen des Tourismus in Entwicklungsländern

  • Massentourismus: hohen Anspruch an die Infrastruktur des Ziellandes
    → Voraussetzungen: schöner Strand, sauberes Wasser,…
  • Individualtourismus: Reisen, die in Eigenregie der Reisenden organisiert werden
  • Naturtourismus: in vielen Fällen Anreiz zu einer Fernreise in Dritte-Welt-Länder
    → Zielregionen sind z.B. Ost- und Südafrika (Safaritourismus)
  • Sextourismus: verflochten mit wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen der Entwicklungsländer
    → Thailand, 1991: 500.000 – 2,2 Mio. Prostituierte (= 10 % der Frauen)

3.    Positive Effekte des Tourismus in Entwicklungsländern

3.1  Wirtschaftliche Aspekte

  • Der Deviseneffekt:
    oftmals müssen ausländische Kredite aufgenommen werden, um Güter und Dienstleistungen finanzieren zu können
    → Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt (touristische Angebote)
  • Der Beschäftigungs- und Einkommenseffekt:
    • Schaffung von Arbeitsplätzen und somit von Einkommen (Hotels, Fremdenführer,…)
    • Fremdenverkehr belebt indirekt Industrie, Landwirtschaft und Handel (lokale Wirtschaft)
  • Wirkungen auf den Ausbau der Infrastruktur:
    • Verbesserungen der Infrastruktur (u.a. Einrichtungen für den Verkehr, Wasserversorgung,…)
    • Finanziert wird die Infrastruktur (teilweise) aus Tourismuseinnahmen: Steuern und Gebühren

3.2  Soziokulturelle Effekte

  • positive Beeinflussung des Bildungsniveaus: Schulungen, Sprachtrainings,….
  • Infrastruktureinrichtungen, die durch den Tourismus finanziert werden, bringen auch der Bevölkerung, die nicht direkt damit etwas zu tun hat, einen besseren Lebensstandard (Strassen, Trinkwasserversorgung, Abwasser- und Abfallentsorgung, Stromversorgung,…)

4.    Negative Effekte des Tourismus in Entwicklungsländern

Ursachen für negative Wirkungen des Tourismus in Entwicklungsländern:

  • zu einseitig auf ökonomischen Nutzen gerichteten Aktivitäten
  • Vernachlässigung sozialer, kultureller und ökologischer Aspekte
  • Informationsdefiziten der Reisenden über die Alltagsrealitäten dieser Länder
  • Strukturen des internationalen Massentourismus

4.1  Ökonomische Aspekte

  • Beschäftigung:
    • Schaffung von Arbeitsplätzen: Spitzengehälter kommen ausländischen Unternehmen zugute
    • Qualität der Arbeitsplätze: sehr gering
      → Löhne sind sehr niedrig
      →  Qualifikationen werden nicht benötigt = beliebige Austauschbarkeit der Arbeitskräfte
    • Mangel an qualifizierten Arbeitskräften in Fachgebieten
    • Stadt-Land-Flucht
    • saisonalen Schwankungen: politische (z.B. Bürgerkriege), ökologische (z.B. Vulkanausbrüche) Ursachen
      → Massenarbeitslosigkeit
  • Zahlungsbilanz:
    • organisierter Massentourismus bietet nur internationalen Hotelketten finanzielle Unterstützung; geringer Anteil der Devisen bleibt dem Land selbst
      → Großteil fließt an ausländische Kapitalgeber zurück
    • Investoren verlangen häufig Steuervergünstigungen ehe sie investieren
  • Einkommen:
    steigenden Löhnen
    → Lebensunterhaltungskosten nehmen zu
    → Bedürfnisse nach Luxusgütern  wachsen
  • Planungsaspekte:
    Entwicklung der landeseigenen Infrastruktur bleibt Nebeneffekt des Tourismus

    • kostenintensive Projekte werden oft gegen den Willen der Bevölkerung durchgesetzt
    • Erweiterung der Infrastruktur erfolgt meist durch ausländische Kapitalgeber
      → nicht flächendeckende und oft unkonzeptionell geplante Infrastruktur
  • Entstehung von Monokulturen in Entwicklungsländern mit hoher Abhängigkeit vom Tourismus:
    terroristischer Anschläge, Wirtschaftslage, politische Ereignisse, Klima, Krankheiten (Seuchen,…)
    → unterliegt somit extremen Schwankungen

4.2  Ökologische Aspekte

  • Flugverkehr, sowie der in den Zielländern durch Tourismus entstandene Verkehr ist die Hauptbelastung des Tourismus
  • Problem für die Ökosysteme in Entwicklungsländern:
    immer abgelegenere Gebiete werden touristisch erschlossen
  • keine langfristige Planung touristisch entwickelter Infrastruktur
  • Landschaftsbebauungen nehmen immer mehr zu
  • Trendsportarten, die im Urlaub besonders reizvoll erscheinen, belasten die dortigen Ökosysteme
  • Abernten von natürlichen Ressourcen
  • Mitnahme selbstgefundener Souvenirs: Korallenstücke,…

4.3  Soziokulturelle Aspekte

  • einseitige Kulturkontakt: beeinträchtigt das Selbstwertgefühl der arbeitenden einheimischen Bevölkerung
  • Prostitution wird heute als ein geringes Übel von vielen Regierungen in Kauf genommen, um den Tourismus weiterhin in großem Maße am Laufen zu halten
  • Kulturentweihung: zunehmende Kommerzialisierung von traditionellen Riten/ handwerklichen Produkten der jeweiligen Region
  • Ehemals religiöse und kulturelle Traditionen werden verändert und vereinfacht dargestellt
  • Fernreisen dienen nicht der Völkerverständigung oder der Horizonterweiterung

5.    Tourismus und Nachhaltigkeit – Wege für den zukünftigen Umgang mit Tourismus

Jeder Platz hat eine gegebene Kapazität, welche nicht überschritten werden kann, ohne dass ernsthafte Veränderungen oder sogar ein Zusammenbruch von bestimmten Ressourcen oder Systemen hervorgerufen werden
→ durch gezielte Steuerung in seinen negativen Auswirkungen beschränken
→ planvolle, nachhaltige Tourismusentwicklung: ökologisch verträglicher, sozial verantwortlich und wirtschaftlich langfristig ergiebig  – für alle daran Beteiligten
→ Entwicklungsländer-Reisende können als Multiplikatoren in Sachen Weltverständnis, globale Verantwortung und Solidarität eine wichtige und ständig wachsende Zielgruppe der Informations- und Bildungsarbeit sein.

Patricia Schaible