Tansanische Gesundheitsversorgung

Nach der Besichtigung des Kilimatinde Hospitals waren wir uns in der Gruppe einig, dass niemand in Tansania krank werden will.
Liegt das an der schlechten Gesundheitsversorgung? Oder sind wir Europäer einfach nur zu sehr verwöhnt?
Eigentlich ist die Gesundheitsversorgung in Tansania gar nicht schlecht, solange man in der Nähe eines Krankenhauses wohnt und dieses auch nutzt.

Im Kreis Manyoni gibt es 3 Krankenhäuser, die etwa 100.000 Menschen betreuen.
Das in Kilimatinde versorgt neben Kilimatinde noch 11 weiter Dörfer, 8 davon sind mit dem Auto erreichbar, 3 leider nur per Flugzeug.
Dies stellt natürlich ein Problem für die Einwohner dar, da die Fliegenden Ärzte nur selten vorbei kommen. Deshalb werden Krankenhäuser von den Menschen auf den Dörfern immer noch kaum genutzt, da ihnen die Reise zu teuer oder der Weg zu umständlich ist. Da ist der Weg zum nächsten Zauberer einfach viel bequemer.
Das Kilimatinde Hospital wurde 1925 gegründet, besitzt 160 Betten, hat 65 Angestellte und ist voll ausgelastet.
Die Behandlung im Krankenhaus ist bis auf einen kleinen Eigenbeitrag kostenlos. Das Krankenhaus wird zu etwa 50% vom Staat finanziert, 25% kommen vom Freundeskreis, 10% von Projekten wie dem Fahrzeugverleih oder dem Guesthouse und 15 % durch den Patientenbeitrag.
Es ist ein allgemeines Krankenhaus in dem ambulant und stationär behandelt wird.
Es gibt viele Bereiche, die wir uns alle anschauen durften, zum Beispiel die Kinderstation oder die Entbindungsabteilung mit Kreissaal. Die Betten stehen direkt nebeneinander und es gibt selten richtige Türen oder gar Quarantänestationen. Deshalb stellen ansteckende Krankheiten ein großes Problem dar.
Das Krankenhaus besitzt auch ein Labor, einen Operationssaal und einen Bereich für die Medikamente. Dieser wird staatlich überwacht und es gibt einen Solarkühlschrank, Infusionen werden soweit es geht selbst hergestellt. Wenn operiert wird, wird der Generator angeschaltet.
Da Aids ein sehr großes Problem in Tansania darstellt, hat das Krankenhaus eine extra Abteilung zur Aidsprävention, hier werden Aufklärungsvideos gezeigt und Aidstests durchgeführt.
Die Impfversorgung funktioniert sehr gut, Kinder im Alter von 1 bis 5 Jahren erhalten sogar kostenlose Impfungen. Geimpft wird Polio, Tuberkulose, Diphtherie, Hepatitis B, Tetanus und Meningitis, im akuten Fall sogar Tollwut.

Direkt neben dem Krankenhaus befindet sich die Nursing School in der auch unsere Freundin Raheli ausgebildet wird. An einem Abend waren wir zum Essen eingeladen und hatten danach eine Gesprächsrunde über traditionelle Medizin aus Heilpflanzen.
Wir hatten an diesem Tag die Gelegenheit uns durch Bücher ein wenig über tropische Heilpflanzen zu informieren. Beim Lesen erfuhr ich das Gegenteilige von dem was ich erwartete, nämlich dass Naturmedizin leider immer mehr verdrängt wird da sie oft mit Zauberei in Verbindung gebracht wird und in Schulen und Krankenhäusern nur Schulmedizin gelehrt wird.
Bei dem Gespräch mit den Pflegeschülern wurde dies bestätigt. Ihnen wird beigebracht das Schulmedizin am Besten sei, außerdem sei sie einfacher und sicherer anzuwenden da von den Medikamenten Dosis und Nebenwirkungen bekannt sind.
Dies ist meiner Meinung nach eine sehr negative Entwicklung da zum einen ein riesengroßer Wissensschatz über natürliche Heilmethoden verloren geht und zum anderen die Menschen dadurch noch abhängiger von Hilfe außerhalb in Form von Medikamentenlieferungen und Spenden werden, obwohl viele Medikamente Wirkstoffe enthalten, die direkt vor der Türe wachsen.

Abschließend kann ich sagen dass ich auf der einen Seite begeistert war wie vielseitig, dass Krankenhaus in Kilimatinde ausgestattet ist und wie gut die Gesundheitsversorgung funktionieren kann wenn man sie in Anspruch nimmt. Auf der anderen Seite bin ich enttäuscht dass durch die Vertreibung der Zauberei auch das Wissen über natürliche Heilmethoden verloren geht und überall nur Schulmedizin zum Einsatz kommt.

Simon Störk