Religion in Tansania

In Tansania leben vor allem Angehörige dreier Religionsgruppen: Christentum, Islam und verschiedener ethnischer Religionen („Stammesreligionen“). Betrachtet man andere afrikanische Länder, so erfährt man, dass besonders hohe Anteile an Christen und Muslimen in einem Land oft für Spannungen sorgen. Doch in Tansania ist es da eher ruhig. Das Nationalgefühl: „Wir sind Tansanier!“ dominiert und verwischt Stammes- und Religionsgrenzen.

Wer unsere Gottesdienste am Sonntagmorgen gewohnt ist, wird sich in Tansania wundern: Die Kirchen sind überfüllt. Die Hälfte der Besucher sind in der Regel Kinder. Niemand wundert sich oder beschwert sich gar, wenn der Gottesdienst auch mal drei Stunden oder länger dauert. Und die fröhliche Stimmung steckt alle an. Hier wird Gottesdienst wirklich gefeiert – der Gottesdienst als der Höhepunkt der Woche. Es gibt viel Musik und alle singen und tanzen begeistert mit.

Musik ist ein zentraler Aspekt der Gemeindearbeit. In der Regel hat eine Gemeinde viele verschiedene Chöre, für alle Alters- und Zielgruppen. Ansonsten gibt es allerdings in der Gemeinden nicht viel: In manchen Gemeinden gibt es einen Kindergottesdienst. Und sonst? Kindergruppen, Jugendkreise oder Bibeldiskussionen? All das gibt es nur ganz selten. Eigentlich schade, denn potenzielle Teilnehmer gäbe es genug.

Die Kirche sieht auch ihre soziale Aufgabe. Doch oftmals fehlt den Pfarrern eine gute Ausbildung. Zwar gibt es Bibelschulen, aber immer noch viel zu wenige um die Pfarrer aller Gemeinden ausreichend auszubilden. Und so wird über wichtige Themen wie die Zukunftsperspektive der einzelnen Jugendlichen und der Umgang mit Beziehungen (ganz besonders im Hinblick auf die große AIDS-Problematik) und Alkohol oft geschwiegen. Trotzdem gibt es Grund zur Hoffnung, denn es gibt Christen, die sich vor den Problemen nicht verschließen und viele gute Ideen haben.

Und eines können wir von tansanischen Christen auf jeden Fall lernen: Diese tiefe Dankbarkeit, die sie gegenüber Gott haben. Wir nehmen oft so Vieles als selbstverständlich hin und vergessen dabei wer uns alles geschenkt hat.

Katharina Schaible