Musik in Tansania

Musik spielt, wie fast überall, natürlich auch in Tansania eine tragende Rolle.
Die traditionellen Instrumente, zu denen vor allem die Trommeln gehören, sind auf dem Land noch weit verbreitet. So wurden wir in einem Dorf von einigen Frauen mit Trommeln und Pfeifen (typisch für die Wagogo) begrüßt.

Die Gitarre ist vor allem für die jüngere Generation ein wichtiges Instrument. Akustik-Gitarren sind überall zu finden und sobald es die Möglichkeit gibt, irgendwie Strom zu erzeugen, werden auch E-Gitarre und E-Bass eingesetzt. Das sind allerdings oft abenteuerliche Eigenkonstruktionen, auch über die selbstgebauten Verstärker darf gestaunt werden. Außerdem findet das Keyboard großen Anklang, weil es den „beat“ der Trommeln elektronisch ersetzen kann. Wo nichts dergleichen zu finden ist, sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Auf einem umgedrehten Eimer mit einem Holzstock kann man ja auch ohne Probleme den Takt angeben.

In den Städten bemerkt man deutlich den westlichen Einfluss. Trommeln und traditionelle afrikanische Tänze sind hier eher als Touristenattraktionen zu finden. Die Jugendlichen hören vor allem Gospelmusik und Hip Hop. „Bongo Flava“ heißt der neue Musikstil. Gerappt wird auf Suaheli über das Leben und soziale Probleme in Tansania. CDs einiger Interpreten sind inzwischen sogar in Europa erhältlich.

Nicht nur hier, auch in den Kirchen ist Suaheli die Sprache der Musik. Es gibt aber natürlich auch Lieder in den Stammessprachen oder auf Englisch.

Da Liebe in Tansania nicht öffentlich gelebt wird, ist sie auch kein so großes Thema der Musik wie in Europa oder Amerika. Auf dem Land, wo die Kirche noch den größten Einfluss hat, geht es vor allem um Gottes Liebe und den auferstandenen Jesus. In den Kirchen heißt Jugendarbeit zunächst einmal Chorarbeit, so wachsen aktive Christen in Kinderchören und Jugendchören auf. Gesungen wird von Männern und Frauen, die Instrumente spielen allerdings meistens die Männer.

Zu den fröhlichen und mitreisenden Liedern gehört immer auch das Tanzen. So ersetzt der Gottesdienst am Sonntagmorgen ohne Probleme den nicht stattgefundenen Discobesuch der vorherigen Nacht.

Im Gottesdienst ist die Musik oft Ausdruck der Freude darüber, dass Gott uns liebt. Je größer die Gemeinde, desto mehr Chöre gibt es und desto länger dauert auch der Gottesdienst.

Die Lieder werden zum größten Teil mündlich überliefert, was uns Deutschen auch mal Probleme bereitet, schließlich sind wir es gewohnt, mit einem Buch vor der Nase zu singen. Zwar gibt es „Liturgiebücher“ in der Kirche, in denen feste Elemente der Liturgie, dazu gehören auch einige Lieder, aufgeschrieben sind, aber selbst dort findet man nur den Text, keine Notierung.

Radios gehören inzwischen auch auf den Dörfern zum täglichen Leben. Es gibt eine Vielzahl von Radiosendern: traditionelle afrikanische Musik, christliche Lieder, Hip Hop und durchaus auch mal Songs von britischen Boygroups.

Tanja Wurster