Medizinische Vorsorge für Tansania

Reisen in fremde Länder, unter ungewohnten klimatischen Bedingungen, fremden Speisen und Getränken, sowie einer neu angepassten Zeitumstellung, bedeuten eine Belastung für den Körper. Schwangere, Kinder, ältere Menschen oder auch chronisch Kranke sind bei größeren Veränderungen in besonderem Maße beansprucht. Bei sorgfältiger Reisevorbereitung und Berücksichtigung einiger Verhaltensregelungen vor Ort, können jedoch eine Vielzahl von Gesundheitsrisiken vermieden oder zumindest reduziert werden.
Die folgenden Ratschläge sollen dabei behilflich sein, eine gute und gewissenhafte Reisevorbereitung treffen zu können. Ebenfalls möchte ich euch informieren, wie man sich vor starker Hitze- und Sonneneinstrahlung schützen können, wie die Unfallgefahr in Reiseländern einzuschätzen ist, beachten sollten und welche sinnvollen Medikamente in einer Reiseapotheke man mit sich führen sollte.

Die 10 „goldenen Regeln“

  1. Guter Mücken- und Insektenschutz (dunkle Kleidung vermeiden).
  2. Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene konsequent einhalten.
  3. Keine ungeschützten Intimkontakte.
  4. Nicht in tropischen Gewässern baden (vor allem Süßwasser).
  5. Nicht barfuß laufen.
  6. Guter Sonnen- und Hitzeschutz.
  7. Eine sinnvolle Reiseapotheke mitführen.
  8. Malariaprophylaxe Tabletten konsequent einnehmen.
  9. Adresse der Botschaft vor Ort für Notfälle mitnehmen.
  10. Sich vor der Reise individuell reisemedizinisch beraten lassen und vorbeugende Maßnahmen (z.B. Impfungen und Malariaprophylaxe) treffen.

Reiseapotheke

Eine gut ausgestattete Reiseapotheke sollte soviel wie nötig und so wenig wie möglich enthalten. Die Medikamente sollen in erster Linie dazu beitragen leichte Beschwerden zu bessern und/oder größeren Schäden vorzubeugen. So stellt die Mitnahme von Verbandsmaterial und Desinfektionsmitteln ein unbedingtes „Muss“ in jeder Reiseapotheke dar. Größere Infektionen können dadurch aufgrund sorgfältiger Wundreinigung oft kleiner Bagatelleverletzungen leicht vermieden werden. Auch fiebersenkende Mittel oder Medikamente gegen Durchfall können bei einer Reise hilfreich assistieren. Bei anhaltenden Beschwerden jeder Art empfiehlt es sich jedoch immer einen Arzt zu konsultieren um gefährliche Infektionskrankheiten auszuschließen oder gegebenenfalls gleich behandeln zu lassen. Chronisch Kranke sollten vor jeder Reise ausrechnen wie groß die Menge ihrer mitzuführenden Medikamente sein wird und eine Reserve mit einplanen. Auch wenn der Bezug von Medikamenten im Reiseland oft günstiger ist, so ist damit die Sicherheit der Wirkung des Medikamentes nicht immer gewährleistet. Insbesondere in armen Ländern kommt es häufig zu Medikamentenfälschungen. Auch Lagerungen in der Hitze oder in der Sonne können die Wirksamkeit des Medikamentes herabsetzen. Daher ist es empfohlen, die benötigten Medikamente im Heimatland zu erwerben und auf die Reise mitzunehmen.

Für folgende Beschwerden kann die Mitnahme von Medikamente hilfreich sein

Beschwerden Substanz (Freiname)
Fieber, Entzündung, Schmerzen Paracetamol, Acetylsalicylsäure
Durchfall Loperamid, Tannin, Elektrolyt-Glucose-Präparate
Erbrechen und Übelkeit Metoclopramid, Dimenhydrinat oder Domperidon
Hautverletzungen Desinfektionsmittel, Spritzen, Kanülen, Verbandszeug, Pinzette, kleine Schere
Insektenstiche Insektenabweisende Cremes, Antiallergische Cremes

Zu den ─ im Regelfall ─ erlaubten Gegenständen im Handgepäck gehören

Verschreibungspflichtige Medikamente in Pulver-, Tabletten- oder Aerosolform (z.B. ein Asthma-Spray), so wie Flüssigkeiten, die aus medizinischen Gründen notwendig sind z.B. Augentropfen oder Kontaktlinsenmittel (maximal 120 ml) oder Insulin für Diabetiker (maximal 148 ml). Eine ärztliche Bestätigung ist erforderlich. Die Bestätigung garantiert jedoch nicht, dass die Medikamente mitgeführt werden dürfen. Das entscheiden die zuständigen Sicherheitsbeauftragten oder Behörden vor Ort. Im schlimmsten Fall muss mit Beschlagnahme der Medikamente oder mit Zurückweisung vom Flug gerechnet werden. Eine vorherige Absprache mit den zuständigen Behörden ist daher unbedingt empfohlen.

In vielen Landesteilen besteht ein Übertragungsrisiko für die Schlafkrankheit (afrikanische Trypanosomiasis). Im Sommer 2005 erkrankte ein amerikanischer Tourist nach einer Safari in der Serengeti in Tansania an der Schlafkrankheit. Laut Angaben des CDC 2005 (Centers for Disease Control and Prevention) wird durchschnittlich jedes Jahr ein Fall von Schlafkrankheit bei Touristen gemeldet. Vor allem Reisen in die ostafrikanischen Nationalparks beinhalten ein erhöhtes Infektionsrisiko. Reisende sollten gute Mückenschutzmaßnahmen durchführen, v.a. bei Aufenthalten in Ostafrika, insbesondere Tansania (National Parks), Kenia (National Parks) und Sambia. Dunkle Kleidung sollte nicht getragen werden, da die Tsetse Fliege durch dunkle Farben angezogen wird.

Landesweit besteht eine erhöhte Infektionsgefahr für diverse Infektionskrankheiten die durch verunreinigte Speisen oder Getränke übertragen werden (z.B. Hepatitis A, Typhus, Bakterienruhr, Amöbenruhr, Lambliasis, Wurmerkrankungen). Daher sollten sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasser-Hygienemaßnahmen stets durchgeführt werden. Vor dem Verzehr und Kauf von Lebensmitteln aus billigen Straßenrestaurants und von Märkten wird gewarnt. Nach Deutschland werden rund 80 – 90 % aller Typhus- und Paratyphusfälle aus Reiseregionen mit unzureichendem Hygienestandard importiert. Bei Reisen unter einfachen hygienischen Bedingungen (z.B. Rucksack- und Trekkingreisen) in Regionen mit erhöhtem Typhusvorkommen, ist daher ein Typhus – Impfschutz sinnvoll. Bei Reisen in Länder mit einem erhöhten Hepatitis A-Vorkommen sollte ein Hepatitis A-Impfschutz in Erwägung gezogen werden.

Sporadisch werden vereinzelte Pestfälle aus der Tanga-Provinz am Westhang der Usambara-Berge gemeldet. Für Touristen besteht nur bei engem Kontakt zur Bevölkerung der Risikogebiete, bei Übernachtungen im Freien, sowie bei Nagetierkontakt in den betroffenen Regionen ein sehr geringes Infektionsrisiko. Pest ist bei rechtzeitiger Krankheitserkennung und Behandlung heilbar. Lasst euch von eurem Arzt bezüglich der Übertragungswege aufklären.

Impfempfehlungen

Krankheit Impfschutz Risikogruppen
Diphtherie ja Grundsätzlich sollten alle Personen einen Impfschutz besitzen (Auffrischung alle 10 Jahre).
FSME nein
Gelbfieber ja Alle Reisende in Gebiete und Länder mit Gelbfiebervorkommen.
Hepatitis A ja Alle Reisende in Länder mit erhöhtem Hepatitis-A-Vorkommen.
Hepatitis B Risikogruppen ja Reisende in Gebiete mit erhöhtem Hepatitis B-Vorkommen und bei erhöhtem Infektionsrisiko sowie bei längeren Aufenthalten (> 1 Monat).

Anlässlich einer Reise ist es ratsam, eine Hepatitis B Impfung grundsätzlich in Erwägung zu ziehen. Die Impfung ist für Kinder und Jugendliche in Deutschland routinemäßig empfohlen.

Japanische Enzephalitis nein
Kinderlähmung ja Reisende in Gebiete mit erhöhtem Polio-Infektionsrisiko.
Meningokokken Meningitis Risikogruppen ja Reisende in Gebiete mit erhöhtem Meningokokken-Meningitis Vorkommen (z.B. während Trockenzeiten) und/oder erhöhtem Ansteckungsrisiko (z.B. durch engere Kontakte zur Bevölkerung oder längere Aufenthalte in den betroffenen Gebieten).
Tetanus ja Grundsätzlich sollten alle Personen einen Impfschutz besitzen (Auffrischung alle 10 Jahre).
Tollwut Risikogruppen ja Reisende in Gebiete mit erhöhtem Tollwut-Vorkommen (z.B. durch Hunde, Katzen und Waldtiere; Auch Fledermäuse können durch einen Biss Tollwut übertragen) und/oder erhöhter Infektionsgefahr (z.B. durch Langzeitaufenthalte, Rucksack- und/oder Abenteuerreisen). Kinder gelten als besonders gefährdet. Zu den beruflichen Risikogruppen zählen Tierärzte, Jäger und Forstpersonal.
Typhus Risikogruppen ja Reisen in Länder mit unzureichender Hygiene und Trinkwasserversorgung (z.B. während Rucksack- und Abenteuerreisen).

Impfvorschriften

Gelbfieber Der Nachweis einer Gelbfieberimpfung ist erforderlich für alle Reisenden (> 1. Lebensjahr), die aus Gelbfieber-Infektionsgebieten (Endemiegebieten) kommen.

Tansania gilt als Land mit Gelbfieber-Infektionsgebieten.

Daher empfiehlt die WHO unabhängig von der Landesvorschriften nachdrücklich die Impfung für alle Reisenden in Gelbfieber-Infektionsgebiete.

Spezielle Gesundheitsrisiken

Krankheit Anmerkung Schutz
Bilharziose Vorkommen: landesweit im Süßwasser (auch in Sansibar und Pemba) Vermeidung von Hautkontakt mit Süßwasser (Seen, Tümpel, Flüsse und Bächen).
Borreliose landesweites Vorkommen

Übertragung: durch Zecken v.a. in Gräsern, Sträuchern, Unterholz

Schutz vor Zecken durch hautbedeckende Kleidung. Verwendung von insektenabweisenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays).
Cholera Infektionsgebiete sind v.a. die Regionen: Arusha, Coast, Dar es Salaam (Distrikte: Ilala, Kinondoni), Dodoma, Kigoma, Kilimanjaro, Lindi, Mara, Mbeya, Morogoro, Mtwara, Mwanza, Rukwa, Shinyanga, Tanga und die Insel Zanzibar Sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene.
Dengue-Fieber landesweites Vorkommen Schutz vor Mücken durch hautbedeckende Kleidung. Verwendung von insektenabweisenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays), Anti-Mückencoils, Mückennetze, etc.
Filariose landesweites Vorkommen Schutz vor Insekten, v.a. Mücken durch hautbedeckende Kleidung. Verwendung von insektenabweisenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays), Anti-Mückencoils, Mückennetze, etc.
Gelbfieber landesweites Vorkommen Impfung. Schutz vor Mücken durch hautbedeckende Kleidung. Verwendung von insektenabweisenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays), Anti-Mückencoils, Mückennetze, etc.
Hepatitis B landesweites Vorkommen Impfung. Verwendung von Kondomen und sterilen Spritzen und Nadeln
Meningokokken Meningitis Vorkommen: v.a. ländliche Gebiete Impfung. Vermeidung von größeren Menschenansammlungen (z.B. enge Wohnverhältnisse, überfüllte Verkehrsmittel, etc.)
Pest Vorkommen: Tanga-Region (Distrikte: Lushoto und Tanga) Schutz vor Ratten (z.B. durch sichere Schlafplätze bei Übernachtungen im Freien) und Flöhen (häufiger hygienischer Wäschewechsel). Reisende sollten sich von Pestkranken fernhalten. Bei beruflicher Exposition können vorbeugend Antibiotika eingenommen werden.
Schlafkrankheit Vorkommen: vor allem in den Gebieten Arusha und Kigoma Schutz vor Bremsen durch hautbedeckende Kleidung (dunkle Farben vermeiden). Verwendung von insektenabweisenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays), Anti-Mückencoils, Mückennetze, etc.
Tollwut landesweites Vorkommen Impfung. Fernhalten von freilaufenden, streunenden Tieren (v.a. Hunden und Katzen).
Zeckenbissfieber Vorkommen: landesweit

Übertragungsmonate: ganzjährig, v.a. April – Oktober

Schutz vor Zecken durch hautbedeckende Kleidung. Verwendung von insektenabweisenden Mitteln (Cremes, Lotionen, Sprays).
diverse Darminfektionen Landesweites Vorkommen von Parasiten, Bakterien, Viren (Wurmbefall, Shigellen, Salmonellen, Amöben, Lamblien) Sorgfältige Nahrungsmittel- und Trinkwasserhygiene

Malariahinweise

Vorkommen

Risikogebiete: hohes Risiko im ganzen Land unter 1.800m Höhe einschließlich der Städte
Übertragungsmonate: ganzjährige Gefährdung. Erhöhtes Risiko in der Regenzeit November – Mai
Malariaart: über 85 % Malaria tropica (P. falciparum)

Vorbeugung

Schutz vor Mückenstichen empfohlen: durch langärmelige Kleidung, Sprays, Cremes, Lotionen, Mosquitonetze, etc.
Vorbeugung mit Medikamenten empfohlen (Chemoprophylaxe): landesweit einschließlich der Städte
Die vorstehenden Empfehlungen zur Malaria-Vorbeugung orientieren sich an Erfahrungen und Daten aus der Reisemedizin und gelten für den „Regelfall“ eines organisiert reisenden Touristen. Der beratende Arzt kann sich im Rahmen einer individuellen Beratung für ein anderes Vorgehen entscheiden, wenn das Malaria-Risiko z.B. durch Reisestil, Aufenthaltsdauer, Region, Saison oder aktuelle Ereignisse deutlich höher oder geringer anzusetzen ist als bei einem typischen Touristikurlaub. Daher ist vor Abreise in ein Malaria-Risikogebiet eine individuelle Beratung beim Arzt unbedingt empfohlen.

Lasst euch bitte vor Reiseantritt für eine individuelle Gesundheitsfürsorge von eurem Arzt beraten. Dies sollte frühzeitig vor Reiseantritt geschehen. Impfungen sollten immer rechtzeitig geplant werden. Manche Impfungen können kombiniert werden oder auch gleichzeitig erfolgen. Bei anderen Impfungen sind teilweise Zeitabstände einzuhalten. Weiterhin gibt es Altersgrenzen, chronische oder akute Erkrankungen und andere individuelle Umstände, die es zu beachten gilt.

Richard Wultschner