Medizinische Probleme in Tansania

Egal welche Daten zu Gesundheit und Medizin wir gegenüberstellen, die Menschen in den Entwicklungsländern schneiden außer bei Herz- / Kreislauf- und Krebserkrankungen in allen anderen Bereichen um Dimensionen schlechter ab, als wir in Europa.
Jährlich sterben 17 Millionen Menschen an Infektionskrankheiten. 4,5 Millionen allein an Durchfallerkrankungen. Das liegt zum Beispiel an der zumeist katastrophalen Trinkwasserversorgung!
Ein Drittel der Menschheit ist mit Tuberkulose infiziert. Und obwohl die Verbreitung von Aids heute in Asien am schnellsten vor sich geht, leben über die Hälfte aller HIV-infizierten Menschen in Afrika. Auch die Malaria trägt mit bis zu 500 Millionen Infizierten und mehr als 1 Million Toten jedes Jahr deutlich zu den Problemen besonders Schwarzafrikas bei.
Während bei uns auf einen Arzt etwa 390 Einwohner kommen, müssen sich diesen in Afrika im Schnitt 18.500 Menschen teilen. In Äthiopien kommen auf einen ausgebildeten Mediziner gar 32.500 Einwohner.
Zentrale Problembereiche sind zum Beispiel die Kindersterblichkeit und die Müttersterblichkeit. Hier wirkt sich auch die insgesamt schlechte Ernährungssituation aus.

Medizinische Versorgung

Es gibt ca. 2000 Krankenhäuser und Kliniken, einige Kirchenmissionen haben medizinische Versorgungsstationen. Außerdem gibt es Privatärzte, Krankenhäuser und Gesundheitszentren. Die medizinische Versorgung im Lande ist aber mit Europa nicht zu vergleichen und ist häufig technisch, apparativ und/ oder hygienisch problematisch. Vielfach fehlen auch europäisch ausgebildete Englisch / Französisch sprechende Ärzte. Ein ausreichender, weltweit gültiger Krankenversicherungsschutz und eine zuverlässige Reiserückholversicherung sind dringend empfohlen. Eine individuelle Reiseapotheke sollte mitgenommen und unterwegs den Temperaturen entsprechend geschützt werden (Kühlkette). Es gibt im Land immer wieder Engpässe in der Versorgung mit Medikamenten. Auch hierzu ist individuelle Beratung durch einen Tropenarzt bzw. Reisemediziner sinnvoll.

Krankheiten

Malaria

Der Kilombero-Distrikt in Tansania gehört zu den Gebieten mit der weltweit höchsten Malariaübertragungsrate. Direkt am Kilombero beträgt die Zahl infektiöser Mückenstiche angeblich 2.000 pro Person und Jahr. Die Übertragung erfolgt durch den Stich blutsaugender nachtaktiver Anopheles-Mücken. Unbehandelt verläuft insbesondere die gefährliche Malaria tropica (über 85% der Fälle in Tansania) bei nicht-immunen Europäern häufig tödlich. Die Erkrankung kann auch noch Wochen bis Monate nach dem Aufenthalt ausbrechen. Beim Auftreten von Fieber in dieser Zeit ist ein Hinweis an den behandelnden Arzt auf den Aufenthalt in einem Malariagebiet notwendig. Landesweit besteht ein hohes Risiko unter 1.800m. In Risikogebieten wird eine Malariaprophylaxe dringend empfohlen. Für die Malariaprophylaxe sind verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente (z.B. Malarone, Doxycyclin, Lariam) auf dem deutschen Markt erhältlich. Die Auswahl und persönliche Anpassung sowie Nebenwirkungen bzw. Unverträglichkeiten mit anderen Medikamenten sollten unbedingt vor der Einnahme einer Chemoprophylaxe mit einem Tropen- bzw. Reisemediziner besprochen werden. Aufgrund der mückengebundenen Infektionsrisiken wird allen Reisenden empfohlen, körperbedeckende (helle) Kleidung zu tragen (lange Hosen, lange Hemden), ganztägig (Dengue, s.u.) und in den Abendstunden und nachts (Malaria) Insektenschutzmittel auf alle freien Körperstellen wiederholt aufzutragen und ggf. unter einem Moskitonetz zu schlafen.

HIV/AIDS

HIV/AIDS ist im Lande ein großes Problem und eine große Gefahr für alle, die Infektionsrisiken eingehen: Durch sexuelle Kontakte, bei Drogengebrauch (unsaubere Spritzen oder Kanülen) und Bluttransfusionen besteht grundsätzlich ein hohes, lebensgefährliches Risiko. Kondombenutzung wird immer, insbesondere bei Gelegenheitsbekanntschaften empfohlen.

HIV/AIDS ist mittlerweile die am meisten verbreitete Krankheit in den Ländern südlich der Sahara geworden, zu denen auch Tansania zählt. Rund 7% der Bevölkerung sind hier infiziert. Das ist im Vergleich zu Ländern des südlichen Afrika, wo der Prozentsatz bis zu 40% beträgt, zwar (noch) wenig, aber HIV/AIDS bildet damit die häufigste Todesursache, auch im St. Francis Hospital. Das Spital verfügt über eine Chronic Diseases Clinic, also eine Einheit für chronisch kranke Patienten, und bietet darin seit über zwei Jahren HIV-Therapie gemäß den tansanischen nationalen Richtlinien an. Die bisherige Bilanz ist ein schöner Erfolg: Rund 1.300 Patienten wurden ins nationale Programm aufgenommen, rund 700 davon werden mit antiretroviraler Therapie, also mit HIV-Medikamenten, behandelt.

Leider kommen noch immer viele Patienten zu spät zum HIV-Test, so dass die Medikamente wirkungslos bleiben. Manche Patienten werden auch erst im Endstadium der Krankheit ins Spital gebracht und sterben dann dort. Große Probleme bereiten die langen Wegstrecken und schlechten Verkehrswege im Distrikt. Patienten kommen zur Therapie flussaufwärts wie flussabwärts aus Dörfern, die bis zu 120 km entfernt liegen. Für viele Menschen sind die Fahrtkosten zu hoch, als dass sie vom Angebot Gebrauch machen könnten. Zwar sind die HIV-Medikamente gratis, aber die Medikamente für Begleiterkrankungen müssen bezahlt werden, sind aber für die meisten der Betroffenen viel zu teuer.

Tuberkulose

Tuberkulose ist besonders als Folgeerkrankung von Aids wieder im Vormarsch.

Durchfallerkrankungen und Cholera

Durch eine entsprechende Lebensmittel- und Trinkwasserhygiene lassen sich die meisten Durchfallerkrankungen und besonders Cholera vermeiden.
Einige Grundregeln:

  • Ausschließlich Wasser sicheren Ursprungs trinken, z.B. Flaschenwasser, nie Leitungswasser. Im Notfall gefiltertes, desinfiziertes oder abgekochtes Wasser benutzen.
  • Unterwegs auch zum Geschirrspülen und Zähneputzen Trinkwasser benutzen.
  • Bei Nahrungsmittel gilt: Kochen, Schälen oder Desinfizieren.
  • Unbedingt Fliegen von der Verpflegung fernhalten.
  • So oft wie möglich sich die Hände mit Seife, immer aber nach dem Toilettengang und immer vor der Essenszubereitung und vor dem Essen, waschen.
  • Händedesinfektion, wo angebracht durchführen, Einmalhandtücher verwenden.

Bilharziose (Schistosomiasis)

Die Gefahr der Übertragung von Schistosomiasis besteht beim Baden in Süßwassergewässern (z.B. Victoria-See) im gesamten Land. Baden im offenen Süßwasser sollte daher grundsätzlich unterlassen werden.

Schlafkrankheit (Afrikanische Trypanosomiasis)

In der Serengeti kann es zu einer Infektion mit dem Erreger der Schlafkrankheit kommen, die durch große Fliegen (Tsetse) mit einem schmerzhaften Stich auch durch dünneren Stoff hindurch übertragen werden kann. Vermeidung der Fliegenstiche durch angemessenes Verhalten (u.a. Vorsicht bei Fahren mit offenen Jeeps) und entsprechende Kleidung ist hier besonders angeraten.

Diabetes mellitus

Die Zahl der Diabeteserkrankungen ist ebenfalls im Zunehmen begriffen. Vom Gesetz her müsste die Regierung die Medikamente, besonders Insulin, gratis zur Verfügung stellen. In der Praxis funktioniert das leider nicht immer, sodass die Patienten oft lange nicht behandelt werden können.

Lepra

Es gibt immer noch Lepraneuerkrankungen. Ihre Zahl ist in den letzten 10 Jahren aber stark zurückgegangen. Die Lepra kann heute, zumindest theoretisch, ambulant behandelt werden. Im Leprakrankenhaus gibt es noch zahlreiche alte Patienten mit ausgebrannter Lepra, die zum Verlust von Gliedmaßen geführt hat. Diese Patienten sind schwer behindert und müssen lebenslänglich betreut werden.

Weitere Krankheiten sind Anämie, Hirnhautentzündung und Befall mit Eingeweidewürmern.

Andere Gefahren

Gifttiere

In allen tropischen Ländern kommen eine Reihe teilweise gefährlicher Giftschlangen vor, deren Biss schwere Körperschäden incl. Todesfolge bewirken kann, dennoch sind Schlangenbisse ungewöhnlich und erfolgen selten unprovoziert! Der Mensch steht nicht auf dem Speisezettel der Giftschlange. Viele Schlangen sind nachtaktiv, daher nachts möglichst nicht im Freien umherlaufen. Nicht in Erdlöcher oder -spalten, unter Steine bzw. Reisig, Zweige und ähnlich unübersichtliches Material greifen. Werden Schlangen angetroffen, sollte ein gebührender Abstand eingehalten werden. Keinesfalls sollten sie angefasst, gefangen oder provoziert werden. Auch kommen einige recht giftige Spinnen und Skorpionarten, daneben auch andere Tiere mit potentiell starker Giftwirkung (z.B. bestimmte z.T. auffällig gefärbte Schmetterlingsraupen, Hundertfüßer, Ameisen u.a.) vor. Auch diese Tiere sollten nicht angefasst oder gereizt werden, ansonsten gilt auch hier: Vorsicht, wohin man greift, wohin man tritt und wohin man sich setzt oder legt. Vor Benutzung von Bettdecken und -laken, Kleidungsstücken, Schuhwerk, Kopfbedeckungen evtl. vorhandene giftige „Untermieter“ durch sorgfältiges Ausschütteln entfernen.

Tierbisse

Tierbisse, vor allem von Krokodilen, Flusspferden, Affen aber auch von Löwen aus dem benachbarten Selous Nationalpark stellen große medizinische Probleme dar.

Unfälle

Die Hauptursachen für Unfälle sind ganz andere als bei uns in Europa. In Tansania ist das Leben in erster Linie ein Existenzkampf. Kaum jemand kann sich das Ausüben einer Sportart zeitlich oder finanziell leisten. Insofern fällt eine der wichtigsten Verletzungsquellen, die wir in Europa kennen, weg. Stattdessen stehen Verletzungen bei Stürzen, Verbrennungen und Tierbisse an erster Stelle. Stürze ereignen sich vor allem bei der Kokosernte, Stürze von der Kokospalme sind die häufigsten Ursachen von Querschnittslähmungen.

Verkehrsunfälle

Da die Verkehrsdichte in Tansania viel geringer ist als in Europa, gibt es auch weniger Verkehrsunfälle. Allerdings sind viele Autos, Motorräder und auch Fahrräder in schlechtem Zustand und häufig nachts ohne Beleuchtung unterwegs, was zu Verkehrsunfällen beiträgt.

Verbrennungen

Verbrennungen hingegen stellen, besonders bei Kindern, eine der häufigsten und schlimmsten Formen von Haushaltsunfällen dar: Kinder fallen häufig in die ebenerdigen, offenen Feuerstellen vor und in den Hütten, was zu schweren Verbrennungen und oft schrecklichen Spätfolgen führt.

Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen

Auf Grund praktisch völlig fehlender Schwangerschaftsuntersuchungen sieht man relativ häufig Nierenversagen und Eklampsie, was sowohl eine hohe Mütter- als auch Säuglingssterblichkeit zur Folge hat.

Medizinische Behandlung über Internet in Tansania

Ein paar Computer, eine Digitalkamera und eine Internetverbindung machen’s möglich: In Tansania können lokale ÄrztInnen Diagnosen und Ratschläge von SpezialistInnen einholen, um die Patienten optimal zu behandeln.
Über das Internet kann Personal in Krankenhäusern in schlecht zugänglichen Gegenden in Tansania mit ÄrztInnen in anderen Krankenhäusern kommunizieren. Das Bugando Hospital in Mwanza ist über das Internet mit Krankenhäusern in Rubya und Kibondo im Norden des Landes verbunden, die mit einem Computer, einem Scanner und einer digitalen Kamera ausgestattet sind.
Mit Hilfe dieser simplen Ausstattung haben die Teams in den Krankenhäusern große Fortschritte in der Verfügbarkeit von Krankenversorgung gemacht. „Es gibt keine Grenzen mehr. Ärzte haben Zugriff auf Expertenmeinungen aus der Region und darüber hinaus. Medizinische Herausforderungen können mit der ganzen Welt geteilt werden, und Antworten können durch einen Mausklick erfolgen,“ berichtet Frau Halima Nyindo, Krankenschwester im Bugando Hospital.
Dr. Adam Jonathan am Kibondo Hospital erzählt von einem Fall, in dem ein Patient ein Problem mit einem Finger hatte und seine Hand zwei Jahre lang nicht verwenden konnte. „Die Medikamente nach der ersten Diagnose halfen nicht, der Patient hatte weiter Schmerzen und konnte nicht arbeiten. Er konnte seinen Finger nicht ausstrecken, und wir konnten uns das nicht erklären,“ sagt Dr. Jonathan.
Mit der Digitalkamera des Krankenhauses photographierte Dr. Jonathan den Patienten, schrieb die Patientengeschichte auf und sendete dies zu Frau Nyindo im Partner-Krankenhaus. Frau Nyindo kontaktierte wiederum einen Spezialisten in einem weiteren Krankenhaus. Die Email-Antwort mit detaillierter Diagnose half den ÄrztInnen in Kibondo bei der korrekten Behandlung und Lösung des medizinischen Problems. Was für den Patienten als einfache Fingerbeschwerden begann, wurde zu einer medizinischen Herausforderung für die medizinischen Fachkräfte in Kibondo.
Wachsende Armut hindert viele Menschen in ländlichen Regionen daran, sich der jeweils mit hohen Kosten verbundenen adäquaten medizinischen Behandlung zu unterziehen. Zum Beispiel: Aufgrund der Distanz zwischen dem Bugando Hospital und dem Rubya Hospital (in der Region Bukoba) würde Transport und Aufenthalt ca. TSZ 70.000, umgerechnet ca. 36 Euro, kosten. Unleistbar für Menschen, die mit weniger als einem Dollar (ca. 0,63 Euro) pro Tag auskommen müssen. Viele PatientInnen sind so von Spezialbehandlungen ausgeschlossen. Mittels Telemedizin ist dem nun beizukommen.
Nach Frau Nyindo öffnet das Telemedizin-Projekt, unterstützt von der Africa Medical Research Foundation (AMREF) und Computer Aid, den Zugang zur Gesundheitsvorsorge und speziellen medizinischen Behandlungen für ärmere Menschen, die unter gewöhnlichen Bedingungen davon ausgeschlossen bleiben. „Vielleicht ist unsere Telemedizin noch nicht am neuesten technischen Stand mit zum Beispiel Videokonferenzschaltungen, aber dahin kommen wir noch. Es sind erste Schritte und wir werden weitermachen,“ sagt sie.
Für Gladys Muhunyo, Africa Programme Officer bei Computer Aid, sind die größten Herausforderungen für erfolgreiche Telemedizin in Afrika permanente Internetverbindung und Training. In abgeschiedenen Gegenden, sagt sie, mussten die BewohnerInnen viele Herausforderungen beim Gebrauch von Informationstechnologie meistern, wie zum Beispiel regelmäßige Stromausfälle, unzuverlässige Telefonleitungen und Instandhaltung. Das Rubya Hospital eröffnete zum Beispiel ein Internetcafé, um die hohen Kosten der Verbindung zu finanzieren. Das Internetcafé ist das einzige der Stadt, die Einwohner zahlen eine Gebühr für die Benutzung.
Während sich Computer Aid darauf konzentriert, die erforderlichen Geräte zur Verfügung zu stellen, wie Muhunyo berichtet, bietet die NGO das nötige Training zum Umgang mit den Geräten und Internet für das Krankenpersonal in den ländlichen Gegenden.
In Fällen, in denen die ÄrztInnen in Bugando keine sachgemäße Diagnose eines Röntgenbildes oder Fotos erstellen können, wird dies gewöhnlich ins Büro von AMREF in Nairobi oder zu ausländischen ÄrztInnen weitergeleitet. Dadurch haben PatientInnen in Rubya Zugang zur medizinischen Meinung von SpezialistInnen in einem Krankenhaus z.B. in Chicago.
Neben Telemedizin werden die Computer und das Internet auch für E-Learning für ÄrztInnen in ländlichen Regionen genutzt. Frank Odhiambo, Verantwortlicher bei AMREF, berichtet, dass viele ÄrztInnen nicht in diesen Gegenden arbeiten wollen, da die Möglichkeiten der kontinuierlichen Weiterbildung weitaus schlechter sind als in städtischen Gegenden.
„Menschen, die in der ländlichen Gesundheitsversorgung arbeiten und den größten Teil der Bevölkerung betreuen, sind von speziellem Support und neuesten Information abgeschnitten, aufgrund von schlechten Straßen, teuren Telefongesprächen und Mangel an Bibliotheken. Informationstechnologie kann hier Lösungen bieten,“ sagt Odhiambo. Mittels einer einfachen Internetverbindung haben ÄrztInnen und Krankenpersonal in ländlichen Gegenden freien Zugang zu Internetjournalen, Forschungsdatenbanken und Trainingskursen.

Simon Störk