Andacht zum Ostersonntag

Es ist 5.30 Uhr am Ostersonntagmorgen. Das Gottesdienstteam bereitet sich bereits eine Stunde vorher für den anstehenden Gottesdienst vor. Die Band spielt sich warm, Teelichtgläschen werden vor der Aussegnungshalle für gut 300 Gottesdienstbesucher vorbereitet und einige Fackeln werden als Wegzeichen zur Eingangstüre entzündet. Im Gemeindehaus bereiten fleißige Helfer ein Frühstück vor, dass im Anschluss leckeren Hefezopf, Kaffee, Tee und Zeit für Gemeinschaft verspricht. Die noch dunkle Aussegnungshalle füllt sich mit Menschen. Um 5.30 Uhr sind auch die letzten Plätze belegt. Dann wird ein kleines Licht entzündet. Die Osterkerze brennt und bringt Licht ins Dunkel!

Ausgehend von der Osterkerze wird das Licht an die Gottesdienstbesucher verteilt. Das Kerzenlicht wird von Person zu Person weitergegeben und so füllen sich die Bankreihen allmählich mit Licht. Der Gottesdienst nimmt seinen Lauf. Es wird gesungen, vorgetragen, gepredigt und wir feiern gemeinsam Abendmahl.

Nur nicht heute – am Ostersonntag im Jahr 2020. Die aktuelle Lage lässt es nicht zu. Es ist uns verboten uns zu treffen, aus gutem Grund, um die Infektionskette der Corona Pandemie zu verlangsamen. Trotzdem schmerzt es in dieser Zeit auf gemeinsame Gottesdienste und soziale Kontakte zu verzichten. Gerade heute an Ostern werden wir schmerzlich unsere Bekannten und Verwandten vermissen. Kinder werden Ostern nicht mit ihren Großeltern feiern, in Teilen unseres Landes herrscht Ausgangsverbot und manche Personen sehen nicht mal den Partner, der außerhalb des Heimatortes wohnt. Manche sind persönlich betroffen, leiden selbst unter der Krankheit oder haben vielleicht auch schon einen Menschen verabschieden müssen. Es ist nicht leicht in diesen Tagen. Man könnte meinen, Dunkelheit breitet sich aus…

Und trotzdem – Ostern ist nicht abgesagt! Auch wenn wir nur im engsten Familienkreis feiern können – das Licht der Osterkerze brennt! Jesus ist auferstanden, das ist Realität. Gerade auch in der aktuellen Situation. Jesus ist auferstanden, auch für dich.

Ein Blick zurück: Die Jüngerinnen und Jünger hatten damals auch eine schwere, leidvolle Zeit erfahren. Auch sie konnten nichts an der Situation ändern. Ihr Lehrer, Seelentröster, Mutmacher, Freudenschenker, Orientierungszeichen und Gesundmacher wurde grauenvoll ermordet. Das, was vielen Menschen Hoffnung auf eine bessere Zukunft gab, war nicht mehr möglich, weil der Grund dieser Hoffnung gestorben war. Jesus ist tot. Schmerzlich vermisst.

Frauen machen sich auf den Weg zum Grab. Die Evangelien berichten uns, wie sehr sie an Jesus hingen. Früh machten sie sich auf den Weg um Jesus einen letzten Dienst zu erweisen. Mit kostbaren, wohlriechenden Ölen wollten sie den Leichnam einbalsamieren. Doch es kommt nicht wie sie es erwarten: die Grabkammer, ursprünglich mit einem schweren Stein verschlossen, steht offen. Ein ängstlicher Blick ins Grab offenbart einen weiteren Schlag, der die aufgewühlten Seelen weiter quält. Der Leichnam ist verschwunden. Nicht mal die letzte Chance die Nähe von Jesus zu erleben bleibt ihnen. Die Frauen erleben Hoffnungslosigkeit, Trauer und Leid. Wie gut kennen wir das aus unserem Leben – nicht nur in der aktuellen Lage.

Doch die Szene am leeren Grab nimmt eine hoffnungsvolle Wende. Zwei Männer in glänzenden Kleidern sprechen die Frauen an: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er ist auferstanden!“

Jesus sehen die Frauen nicht persönlich – noch nicht – und trotzdem geht ihnen ein Licht auf. Ob sie es bis ins Letzte verstanden haben, was die Auferstehung für sie bedeutet, möchte ich nicht beurteilen. Aber ihr Erlebnis lässt sie tätig werden. Sie tragen das Licht weiter, indem sie zu den Jüngern gehen und von ihrer Begegnung mit den Engeln und dem leeren Grab berichten. Sie geben die Botschaft „Jesus ist auferstanden“ weiter und werden so zu den ersten, die die Osterfreude verbreiten.

Jesus starb am Kreuz, doch durch Gottes Liebe zu uns Menschen ließ er sich nicht endgültig totkriegen. Die Auferstehung ist das zentrale Ereignis des christlichen Glaubens. Gott besiegt den Tod. Gott tut Wunder. Es wird hell. Es gibt eine Hoffnung, ein Licht!

Das galt damals den Frauen am leeren Grab, die Jesus als den Auferstanden wieder um sich hatten. In ihr Leben kam plötzlich wieder Freude und Hoffnung. Diese Hoffnung und diese Freude gilt auch uns heute, am Ostersonntag, trotz der aktuellen Lage und trotz manchen persönlichen Leids.

Das Licht der Osterkerze brennt – Jesus ist auferstanden! Ich wünsche mir, dass auch wir tätig werden und diese Botschaft weitergeben.

Halleluja – der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Und Gott sei Dank wird es zwischen Jesus und uns nie eine Kontaktsperre geben.

Stefan Heimann